

Die Rechnung geht auf
Erste verlässliche Ergebnisse liegen seit September 2006 vor: Die Sammelmenge in der Gelben Tonne ist kontinuierlich an- gestiegen, während gleichzeitig der Wertstoffanteil im Hausmüll abgenommen hat. Durch Gelbe Tonne plus wird also mehr Abfall recycelt als durch das her- kömmliche System.
+ ERFOLGSSTORY +

Ausgangspunkt des Leipziger Pilotprojekt Gelbe Tonne plus waren Überlegungen, wie die Wertstoffausbeute aus allen Sammelsystemen erhöht werden könnte. Untersucht wird nun, ob durch die Öffnung der Gelben Tonne für verpackungsfremde, gut verwertbare Materialien Synergieeffekte entstehen. Ziel ist es, die Sammellogistik und die Sortierung zu rationalisieren und dadurch die Kosten zu senken.
Ziel ist die ökologisch und ökonomisch beste Lösung
Die Duales System Deutschland GmbH unterstützt die Gelbe Tonne plus im
Rahmen ihres Innovationsprogramms 2007. Dies Programm wurde unter anderem
ins Leben gerufen, um zu überprüfen, ob es in bestimmten Gebieten
sinnvolle, Kosten reduzierende, aber ökologisch mindestens gleichwertige
Varianten zur derzeit praktizierten Sammelstruktur gibt. Für die Verbesserung
der Sammelqualität in Problemregionen sollen vernünftige Lösungen
gefunden werden. Ziel ist es, den Bürgern für die jeweilige Region
und die entsprechenden Strukturen das ökologisch vorteilhafteste und ökonomisch
günstigste Recycling anzubieten. Sinkende Kosten und hoher ökologischer
Nutzen sind die Richtlinien für den
Erneuerungskurs.
Zudem dient das Projekt Gelbe Tonne plus der Beantwortung aller technischen
und vor allem auch aller betriebswirtschaftlichen Fragestellungen: Wie werden
die Kosten umgelegt? Für die Entsorgung der stoffgleichen Nichtverpackungen über
den Restabfall zahlt zurzeit der Bürger in Form von Abfallgebühren,
die Entsorgung von Verkaufsverpackungen dagegen wird aus den Lizenzentgelten
für den Grünen Punkt finanziert.


In der Sortieranlage der SERO Leipzig GmbH, einer der modernsten in Deutschland,
können jährlich bis zu 76.000 Tonnen Wertstoffe aus der Sammlung
der DSD GmbH automatisch getrennt werden – nicht nur nach Weißblech,
Aluminium und Verbunden, sondern auch nach unterschiedlichen Kunststoffarten.
Im Rahmen des Pilotprojekts Gelbe Tonne plus kommen weitere Produkte
hinzu, die aus den gleichen Materialien wie Verpackungen bestehen. Dies
sind einerseits so genannte stoffgleiche Nichtverpackungen wie Spielzeuge
oder Haushaltsartikel aus Kunststoff und Metall, sowie ausgediente kleine
Elektrogeräte. Die technische Machbarkeit des Pilotprojekts steht
außer Frage: Die Sortieranlage wurde zusätzlich mit einem Erkennungsgerät
für Elektrokleingeräte ausgestattet.
Fortschritt auf Basis bestehender Konzepte
Das Mehr an Wertstoffen ist kein Problem für die Sortieranlage, die
von der SERO entwickelt wurde und von der Abfallverwertung Leipzig GmbH
(AVL) betrieben wird, die zu 70 Prozent der SERO und zu 30 Prozent der
Stadt Leipzig gehört. Die Abfall-Logistik Leipzig GmbH (ALL), die
als Partner am Pilotprojekt Gelbe Tonne plus beteiligt ist, sammelt die
Wertstoffe in Leipzig und im Umland ein und lässt sie durch die AVL
sortieren.
Zehn Millionen Euro hat das Unternehmen in den Neubau investiert,
der drei veraltete und verschlissene Anlagen ersetzt. Die Anlage verarbeitet
zurzeit im Dreischichtbetrieb 40.000 Jahrestonnen.
Um das Ziel zu erreichen, bei niedrigen Kosten möglichst sortenreines
Material für die ALBA-Recyclingzentren Brandenburg zu erzeugen, profitiert
das Unternehmen von den Erfahrungen, die bisher mit der automatischen Sortierung
gesammelt wurden.
Am Anfang ist alles eins: Aus der Inputhalle gelangen die Wertstoffe zunächst über
einen Gebindeöffner in zwei Trommelsiebe, die das Material nach Größe
in drei Ströme aufteilen. Der mittlere Strom wird nochmals in zwei
Linien aufgeteilt. Dadurch kann das Material für die Sortieraggregate
optimal vereinzelt werden. Das ermöglicht eine hohe Ausbeute und eine
sehr gute Produktqualität. Kameras überwachen die gesamte Anlage,
Störungen in den Maschinen werden dadurch schnell erkannt und behoben.
Magnete sondern Weißblech aus: Drei längs über die Bänder
montierte Magnetscheider entziehen dem Wertstoffgemisch Dosen, Kronkorken
und andere Eisenverpackungen. Das Ergebnis sind exakt 100 Kilogramm schwere
Weißblechpakete ohne Störstoffe, die automatisch verpresst und
verladen werden und ohne weitere Bearbeitung in die Schmelze gehen.
Wertstoffe im Wind: Mit erstaunlich großer Zielsicherheit saugen
Windsichter leichte Folien vom Band. Danach werden Aluminium, Getränkekartons
sowie Papier- und Kartonverpackungen aussortiert.
Dann sind die Kunststoffe dran: Ein Ballistikseparator trennt weiche
und formstabile Kunststoffe voneinander. Die formstabilen Kunststoffprodukte
durchlaufen das Polymersortiermodul, das mit NIR-Geräten – das
heißt, mit Nahinfrarottechnik – nacheinander Polyethylen (PE),
Polypropylen (PP), Polystyrol (PS) und schließlich Polyethylenterephthalat
(PET) aussortiert. Jede dieser Kunststoffarten wird dann einer automatischen
Nachsortierung unterzogen. An dieser Stelle kommt ein Prototyp zum Einsatz,
der bereits sehr gut funktioniert. Ein Schüttelsieb sorgt für
eine gleichmäßige Verteilung der Wertstoffe auf dem Band, ein
weiteres frei programmierbares NIR-Aggregat überprüft dann die
Sortenreinheit des Kunststoffs – es erkennt selbstständig, welche
Kunststoffart gerade durchläuft.
Am Ende wacht der Mensch: Die Fraktionen erreichen mindestens 95
Prozent Reinheit. Alle Vorgänge sind so weit wie möglich automatisiert – grundsätzlich
wird aber jede Fraktion zum Schluss noch einmal vom Sortierpersonal kontrolliert.
Diese Produktionskontrolle ist sehr wichtig. Sie erst garantiert eine gleich
bleibend hohe Qualität.